Meine sehr verehrten Damen und Herren,

verehrte Gäste,

liebe Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder !!

„ Zusammenkommen ist ein Beginn

                  Zusammenbleiben ist ein Fortschritt

                  Zusammenarbeiten ist ein Erfolg  !“

Mit  diesen Worten Henry Fords I könnte ich   meine im Programm angekündigte Festrede bereits beenden und wir  kämen so schneller zum Tanzen und Feiern. Sagen diese Worte in komprimierter Form doch das aus, was die Historie 50 Jahre Sportschützenverband Alfeld ausmacht :

                        Beginn

                        Fortschritt

                        Erfolg.

Nun erwartet man sicherlich von mir zurecht , trotz des mir von den Organisatoren vorgegeben Zeitlimits , etwas mehr als nur die Worte Henry Fords, denn ein Jubiläum , zumal ein 50 jähriges, regt  an, sich Gedanken darüber zumachen, was unser Sportschützenverband seinen Mitgliedsvereinen aber auch unserem Sport und dem Deutschen Schützenwesen bedeutet.

Nun hat man das Leben einer Gemeinschaft, eines Vereines oder Verbandes häufig mit dem eines einzelnen Menschen verglichen. Wir sprechen ja auch vom „Geburtstag“ oder der „Geburtstagsfeier“. Aber ein Verband wird nicht „geboren“ wie ein Individuum. Er wird gegründet. Ein 50 jähriger Mensch sieht anders aus als ein 50jähriger Verband.

Betrachtet  man das Alter unseres Verbandes mit dem Alter der ab 1220 gegründeten ältesten Schützenvereine Deutschlands, würden wir heute einen Kindergeburtstag mit Luftballons und Smarties feiern. Dennoch blicken wir heute auf eine 50-jährige Geschichte zurück, die von vielen Gesichtern geprägt wurde.

Der Beginn oder die Geburtsstunde unseres Verbandes fiel in eine Zeit, in der man begann, sich von den Schrecken und Auswirkungen des 2.Weltkrieges zu befreien. Das Leben normalisierte sich und begann in Stadt und Land zu pulsieren. Man beschäftigte sich mit dem Überleben und neben dem Wiederaufbau auch zunehmend mit Dingen, die das Leben wieder lebenswert machten.

Ganz oben stand dabei der Sport. Wer denkt nicht da an den Gewinn des Weltmeistertitels unserer Fußballer. Wenn wir Schützen vom Sport reden, denken wir in erster Linie an den Schießsport, ausgetragen im fairen und friedlichen Leistungsvergleich, im Wetteifern um Ringe und Platzierungen, aber auch zum Vergnügen beim Schuss auf Pokale und Preise und zum Königsschuss. So war es vor dem Krieg zu allen Zeiten, und so sollte es jetzt wieder werden.

Dieses war der Antritt als am 21.Feburar 1954 neun Schützenbrüder aus den Schützenvereinen Alfeld, Freden, Lamspringe, Brunkensen, Banteln, Elze, Coppengrave, Duingen und Betheln unseren damaligen Kreisschützenverband Alfeld aus der Taufe gehoben haben. In den genannten Vereinen trieben zum Gründungszeitpunkt 285 Mitglieder den Schießsport. Zum 1.Kreisvorsitzenden wählte man Kurt Koch aus Alfeld , zu seinem Stellvertreter Günter Scherpe aus Brunkensen. Soweit zum Beginn !

 Fortschritt und Erfolg   bedingen einander.  Sie lassen sich  daher nicht so sauber voneinander trennen. Ich werde in  meine folgenden Ausführungen sie in der Gesamtheit darstellen.

Ein Höhepunkt in der noch jungen Verbandsgeschichte war die Weihe der Verbandsstandarte im Jahre 1964 durch den damaligen Präsidenten des Niedersächsischen Sportschützenverbandes Wilhelm Uebel auf dem Martkplatz in Alfeld. Die Standarte trägt noch das Wappen des Altkreises Alfeld, der durch die Kreisreform im Jahre 1974 aufgelöst wurde. Diese war auch der Anlass, unseren Kreisschützenverband Alfeld in Sportschützenverband Alfeld umzubenennen.

Nach 13-jährigem Vorsitz legte Kurt Koch am 26.2.1967 aus Altersgründen seinen Vorsitz nieder. Zum neuen 1.Vorsitzenden wurde Schützenbruder Ewald Wienecke aus Föhrste und zu seinem Stellvertreter Alfred Henke aus Dehnsen gewählt. Kurt Koch wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Verband 24 Vereine mit 1308 Mitgliedern an.

Das 25-jährige Bestehen unseres Sportschützenverbandes Alfeld wurde am

19.Mai 1979 in Anwesenheit des Präsidenten des Niedersächsischen Sportschützenverbandes  Dr. Kurt Trump in Freden gefeiert. Mehr als 2.500 Schützinnen und Schützen waren Mitglied in den unserem Verband angeschlossenen Schützenvereinen.

Am 18.Feburar 1984 legte Ewald Wienecke nach 17-jähriger Amtszeit aus gesundheitlichen Gründen den Verbandsvorsitz nieder.  Zu seinem Nachfolger wurde der bisherige 2.Vorsitzende Alfred Henke gewählt. Sein Stellvertreter wurde Günter Giesecke aus Harbarnsen der nach nur kurzer Amtszeit im Jahre 1985 verstarb. Zu seinem Nachfolger wurde ich im Februar 1986 gewählt.

Ewald Wienecke wurde im Jahre 1984 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Als 1.Verbandsvorsitzender konnte Alfred Henke im Jahr 1993 erstmals das Durchstoßen der 3.000 Mitgliedergrenze vermelden.

Im Jahre 1995 übernahm ich von Alfred Henke den Verbandsvorsitz. Für seine Verdienste um unseren Verband wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt.  Zum stellvertr. Vorsitzenden wählte die Versammlung Friedrich Bähre aus Lamspringe und Hans-Peter Späth aus Alfeld, der im Jahre 2000 aus beruflichen Gründen ausschied. Für ihn wurde im Februar 2000 Johannes Thormeier aus Elze zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt.

Liebe Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder, verehrte Gäste,

selbstverständlich hat der Schießsport in den vergangenen 50 Jahren die entscheidende Rolle in unserem Verbandsleben gespielt. Mit einem Hauptschießsportleiter Heinrich Brunke, der mehr als 30 Jahre das schießsportliche Geschehen in unserem Verband geleitet und gefördert hat, entwickelte sich der Schießsport in unserem Verband vom Traditionsschießen zum sportlichen Wettkampf.  Ihm ist es zu verdanken, dass unser Verband bereits im Jahr 1957 als einer der ersten Kreisverbände die Rundenwettkämpfe einführte und damit dem Schießsport neue Impulse gab. Für seine Verdienste wurde er zum Ehrenmitglied unseres Verbandes  ernannt.

Namen wir Christiane und Sibille Brand aus Alfeld, Willi und Sohn Matthias Sürie aus Banteln, Michael Heine aus Lamspringe oder Michael Koch aus Alfeld standen für schießsportliche Erfolge . Sie haben unseren Verband auch über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Darüber hinaus wurden bei Landes- und Deutschen Meisterschaften von unseren Schützinnen und Schützen weitere gute Platzierungen errungen.

Auch die Gründung der Schießsportgemeinschaft „Sieben Berge „ im Jahre 1998 durch den stellvertretenden Verbandsschießsportleiter Heinz-Hermann Bode führte zu wesentlichen Leistungssteigerungen unserer Schützenschwestern und Schützenbrüder.

Die Arbeit mit der Jugend war und ist ein fester Bestandteil der Aufgaben unseres Verbandes. Feste Trainingseinheiten mit der Verbandsjugendleitung und einem Landestrainer gehören ebenso zu den Aktivitäten wie das jährlich zu  Pfingsten stattfindende Jugendzeltlager. Der Jugend in unseren Vereinen ein„ Zu Hause“ zu geben, sie zu Disziplin, Können, Zielstrebigkeit und Leistungswillen anzuhalten aber auch die Bereitschaft für ein ehrenamtliches Engagement einzufordern,  sollte auch künftig unser Bestreben sein.

Die Aus- und  Fortbildung unserer Schützenschwestern und Schützenbrüder im Umgang mit unseren Sportgeräten nimmt angesichts des verschärften Waffenrechts einen immer breiteren Raum ein. Ebenso haben die Haftungstatbestände für ehrenamtlich Tätige in den Vereinen Dimensionen erreicht, die die Grenzen des Zumutbaren überschreiten. Bürokratische Hemmnisse sind kein Anreiz, ein Ehrenamt zu übernehmen. Unser Verbandsschießsportleiter Horst Brömsen und der Breitensportbeauftragte Dietrich Kleinert, beide im Besitz der Übungsleiter C-Lizenz,  führen für die uns angeschlossenen Vereine Schulungen und Lehrgänge zur Vermittlung des entsprechenden Fachwissens und Fähigkeiten durch.

Ein weiterer Name, der 15 Jahre in den Protokollen unseres Verbandes auftauchte ist Willy Metzger. Seinen präzisen Protokollen ist es  zu verdanken, dass wir auch heute noch einen detaillierten Einblick in die Historie unseres Verbandes haben. Auch er wurde  als Verbandsschriftführer für seine Verdienste um unseren Verband zum Ehrenmitglied ernannt.

Als belebender Faktor machte Hildegard Brand aus Alfeld als 1.Verbandsdamenleiterin  die Schützendamen in unserem Verband „hoffähig“. Ein weitsichtiger , wie sich noch einige erinnern könne , hart umkämpfter richtiger Entschluss. Was wären wir Schützen ohne unsere  Damen ?

Die Fähigkeiten der Nachfolgerin von Hildegard Brand als Verbandsdamenleiterin unseres Verbandes blieben dem Niedersächsische Sportschützenverband nicht verborgen. Ursel Marquordt wurde  1988 als stellv. Landesdamenleiterin und seit vielen Jahren als Landesdamenleiterin in das Präsidium des NSSV gewählt. Mittlerweile bekleidet sie  seit mehr als 25 Jahren dieses Amt mit großem Erfolg und ist das dienstälteste Präsidiumsmitglied und zuständig für etwa 60.000 Schützinnen. Sie ist eine gute Botschafterin unseres Verbandes.

Mein Rückblick auf 50 Jahre Verbandsgeschichte wäre unvollständig, würde ich nicht Heinrich Bunnenberg aus Dehnsen und Heide Wicke aus Eime nennen.

Als Verbandsschatzmeister steht Heinrich Bunnenberg unserem Verband nunmehr seit 38 Jahren zur Verfügung. Heide Wicke als Damenleiterin und nunmehr als Verbandsschriftführerin ist 30 Jahre im Verbandsvorstand tätig. Ihr verdanken wir auch unseren Internetauftritt, der die neusten Meldungen aus unserem Verbandsleben zum Abruf bereithält und nicht nur deshalb unserem Verband ein modernes und fortschrittliches Erscheinungsbild gibt.

Beide zeichnen absolute Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit aus.

Ich könnte noch viele Namen nennen, die im Verlauf der 50 jährigen Geschichte unseren Sportschützenverband , sei es durch sportliche Leistungen wie auch durch ehrenamtliches Engagement zu Ansehen und Anerkennung verholfen haben. Ihnen allen gilt mein aufrichtiger Dank für ihren Einsatz um unseren Sportschützenverband Alfeld und für unsere Schützentradition, die

1,6 Mio. Mitglieder in über 15.000 Vereinen vereint und von dem harmonischen Zusammenspiel von Tradition und Sport lebt. Sie legt Zeugnis ab von einer starken Gemeinschaft, die in der Beliebtheitsskala auf Rang  4  aller Sportarten steht. Schießsport ist Sport für alle, für Jung und Alt , für Arm und Reich, für Einheimische und Zugereiste, für Gesunde und Körperbehinderte.

Unser Sport verbindet die sozialen Gesellschaftsgruppen in Eintracht. Generationskonflikt und Ausländerhass sind keine Themen im Schießsport.

Was wir im Sport praktizieren, ist Gemeinwohlorientierung, die man sicher auch als einen unverzichtbaren Beitrag zum inneren Frieden bezeichnen darf.

Diese gesellschaftspolitische Rolle des Sports in unserer Gesellschaft sollte an einem Tag wie dem heutigen und angesichts der Präsenz der Politik nicht unerwähnt bleiben. Rund 2,6 Mio. ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf allen Ebenen des Sports bilden eine nirgendwo sonst aufzubietende soziale Streitmacht, die sich der Gemeinnützigkeit verpflichtet fühlt. Diese Ehrenamtlichen nehmen dem Staat Aufgaben in einem volkswirtschaftlich Umfang von ca. 10 Mrd. Euro ab.  Daher sind öffentliche Fördermittel für den Sport keine „milden Gaben „ . Ein Euro Fördersumme vervielfacht sich in ganz andere Wertedimensionen und bedeutet nicht zuletzt auch Motivation für das Ehrenamt. Gleichwohl ist uns bewusst, dass angesichts der Haushaltslage der öffentlichen Hände der Sport künftig auf harte Proben gestellt wird. Wir Schützen sind in der Lage, uns hierauf einzustellen. Dennoch werden auch künftig Staat und Sport, Kommune und Sportvereine aufeinander angewiesen sein. Das Ehrenamt braucht die breite öffentliche Anerkennung, die seiner Bedeutung für die Gesellschaft entspricht.

 Ehrenamtliche Tätigkeit für die Gemeinschaft hat

                                  Respekt statt Häme,

                                  Beifall statt Gleichgültigkeit

                                  und intelligente Förderung statt sträflicher Ignoranz verdient.

Der Stellenwert des Schießsports hat durch den Beitritt zum Deutschen Sportbund eine nachhaltige Bestätigung erfahren. Wir fühlen uns in der großen Sportlerfamilie wohl Frau Brons von den Driesch !  Unser Schießsport findet Anerkennung und Beachtung . Nicht nur die erheblichen Zuschüsse für den Ausbau des Leistungszentrums Wilkenburg unterstreichen dieses eindrucksvoll.

Aber auch im Kreissportbund Hildesheim, in dem wir mit dem Sportschützenverband Hildesheim vertreten sind, verstehen wir uns als gleichberechtigte Partner mit den anderen sporttreibenden Verbänden.

Zu unseren Schützenschwestern und Schützenbrüder des Sportschützenverbandes Hildesheim verbindet uns nicht nur die Gemeinsamkeit eines Fachverbandes Schießsport im Kreissportbund. Wir verstehen uns auch in der Verfolgung gemeinsamer Ziele wie auch auf der persönlichen Ebene zu ihrem Präsidenten Manfred Rennebohm und zu ihrem Vizepräsidenten Georg Cordes.

Lassen Sie mich abschließend allen Behörden, Institutionen und Verbänden , die uns in den vergangenen 50 Jahren in unserer Arbeit unterstütz und begleitet haben ein herzliches

„ Danke „ sagen.

Meine lieben Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder,

verehrte Gäste,

ein Rückblick ohne ein Blick in die Zukunft würden mich als Zweifler oder gar Pessimist aussehen lassen. Es würde jedoch den Rahmen der mit vorgegebenen Zeit sprengen, würde ich mich detailliert mit der Zukunft auseinandersetzen. Selbstverständlich hat der amtierende Verbandsvorstand Vorstellungen und Visionen zum Fortbestand unseres Sportschützenverbandes Alfeld .

Wenn auch die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen und gesetzgeberischen Rahmenbedingungen alles andere als vereinsfreundlich sind, ( hohe Arbeitslosigkeit, Harz IV, längere Arbeitszeiten in die Abendstunden hinein,

Waffengesetz, Emissionsschutzgesetz, Bodenschutzgesetz, Bundesdatenschutzgesetz) sehen wir zuversichtlich in die Zukunft.

Wir werden uns den Herausforderungen stellen, so wie unsere Vorgänger  mit  anderen Problemen ihrer Zeit fertiggeworden sind.

 Dieses meine lieben Schützenschwestern, liebe Schützenbrüder sage ich in der Überzeugung, dass uns alle das Bestreben eint, das uns von unseren Vorgängern übertragene Vermächtnis zu Pflege der Schützentradition und des Schützenbrauchtums ernst zu nehmen, um es der Nachfolgegeneration intakt zu übergeben.

 Dieses ist möglich, wenn wir nach den Worten Henry Ford`s handeln die ich eingangs bereits erwähnte :

                „Zusammenkommen ist ein Beginn

                 Zusammenbleiben ist ein Fortschritt

                 Zusammenarbeiten ist ein Erfolg  !“

Schützentradition, meine lieben Schützenschwestern und Schützenbrüder, wie wir sie seit bestehen des Deutschen Schützenbundes aus dem Jahre 1861 verstehen, ist nicht „ Der  Stoff aus dem die Träume sind „. Schützentradition ist die Energiequelle, aus der die Gründer unseres Sportschützenverbandes und alle Schützenvereine die Kraft genommen haben und wir sie auch künftig nehmen werden, das Schützenwesen in Deutschland und unseren Sportschützenverband Alfeld zu pflegen und zu erhalten um sie in eine friedvolle Zukunft zu führen.

Rudi Schatz
Verbandsvorsitzender